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Shitmagnet

Mit dieser fuer mich so vielsagenden Ueberschrift moechte ich meinen letzten Blog aus Australien betiteln. Zum Verstaendis dieses Terms blicke man zurueck in die Zeit im Krankenhaus in Tennant Creek: Mitarbeiter, die waehrend ihrer Schicht generell eine ungewoehnlich groesse Anzahl Patienten oder besonders schwere Faelle bekommen haben wurden als “shitmagnets” bezeichnet, da sie die Scheisse foermlich angezogen haben. Gleiches galt fuer die Rettungswache. Ich habe mich durchaus als shitmagnet etabliert - gut fuer mich denn besser lernt man nicht. Soviel zum Vokabular.
Meine Zeit war aber nicht nur von “shitmagnetismus” gepraegt. So haben wir uns am Freitag, dem 10. September von Tennant Creek auf den Weg richtung Norden gemacht und sind nachts in unserem Quartier in Katherine bei einem Kollegen von Aaron angekommen. Am naechsten Morgen gings weiter richtung Katherine Gorge, wo ich beim Schwimmen in einem grossen Wasserloch von kleinen Fischen attackiert wurde, die mich scheinbar als recht schmackhaft eingestuft haben. Auf dem Weg nach Norden kann man der Landschaft dabei zusehen wie aus Steppe Tropen werden und wie Wetter und Vegetation sich jede Minute aendern. Es wurde immer heisser und immer gruener und in Darwin angekommen war ich froh, das unsere Bleibe klimatisiert war, sonst waere ich ernsthaft geschmolzen. Die Wohnung liegt direkt an der Kueste aber ausser in Sachen Aussicht hat das keinen grossen Vorteil den man kann nicht schwimmen. Fuer alle die doch verzweifelt genug sind bestehen folgende Optionen: Wer nicht als Krokodilfutter endet hat gute Chancen von einem Hai gefressen zu werden und selbst wenn man den ueberlebt gibt es noch Box Jellyfish (Wuerfelquallen), eine der toedlichsten Tierarten der Welt. Ich als lebensfroher Mensch habe mich also mit Spaziergaengen am Strand zufrieden gegeben. Ein weiteres Event in Darwin waren die Mindill Markets mit viel gutem Essen und hunderten Besuchern, die sich am Ende alle zusammenfinden, um den wahnsinns Sonnenuntergang am Strand zu sehen. Mein Highlight war auf jeden Fall der Tag im Crocodylus Park. Ich durfte Monsterkrokodile fuettern und Babycrocs auf den Arm nehmen. Ausserdem haben wir einen Tagesausflug in den Litchfield Nationalpark gemacht. Dort findet man riesige Termitenhuegel, Spinnen, Geckos, Fledermaeuse und Wasserloecher, die eine wilkommene Abkuehlung bieten. An einem anderen Tag sind wir in Aarons Boot raus aufs Meer und haben Reusen ausgelegt. Die Ernte war mit nur einem Monsterkrebs aber recht arm und so haben wir zum Abendessen Aarons selbstgefischte Seafood Vorraete gepluendert.  Die Zeit ging viel zu schnell rum und nach ein paar Grillsessions, selbstgeschlachteten Kokusnuessen und dem ein oder anderen Bier war es Donnerstag.
Morgens wurde ich von einem Anruf geweckt, um zu erfahren, dass mein Flug nach Melbourne nicht wie ich dachte, am selbigen Abend geht, sondern seit ein paar Stunden weg ist. Der shitmagnetismus hatte also die Grenzen der Klinik verlassen und in Kombination mit meiner neu adaptierten laidbackness (Gelassenheit), die ich in meiner Zeit hier erlernt habe, ist es zu einer unglaublich grossen Ansammlung an Doofheit gekommen, die mich meinen europaeischen Kontrollwahn und 200$ fuer den naechsten Flug gekostet hat. Zurueck in Melbourne war ich froh eine Zeit voller Herausforderungen und unvergesslicher Erfahrungen abschliessen zu koennen und noch am selben Tag sind wir zum Ferienhaus der Moffatts am Lake Eildon, ein paar Stunden noerdlich von Melbourne, gefahren. Nach einem Samstag Abend wie er sein sollte mit Grillen, Dosenbier, Schallplatten, Kaminfeuer und tiefgruendigem Gelaber bis tief in die Nacht war der naechste Tag der Arbeit gewidmet. Der See hat nach 14 Jahren Duerre in diesem Jahr endlich wieder einen Fuellstand von 60% erreicht – Tendenz steigend.  In der Zeit ist jedoch das ganze Ufer mit Teebaeumen zugewachsen, die es jetzt zu kappen und verbrennen galt, um einen Zugang fuer das Boot zu schaffen. Und da ich scheinbar noch nicht genug Scheisse angezogen hatte und villeicht auch als Strafe fuers Arbeiten am Sonntag, bin ich auf dem schlammigen Boden ausgerutscht und habe mir die Kettensaege ins Knie gepflanzt. Zum Glueck ein recht sauberer und nicht uebermaessig grosser Schnitt aber leider recht tief und deshalb habe ich das Australische Gesundheitssystem letztlich auch aus Patientensicht kennenlernen duerfen und wurde im naechsten Krankenhaus genaeht. Auch der Doktor war sichtlich erfreut Sonntag abends arbeiten zu duerfen.
Jetzt ist aber alles geflickt, ich sitze sicher und bisher ohne weitere Zwischenfaelle mit der Scheissanziehungskraft am Tisch mit meiner Gastfamilie und geniesse ein letztes Dinner mit den Menschen, ohne die das alles hier nicht moeglich gewesen waere – THANKS HEAPS!!! Morgen abend geht mein Flug  (ich habe bisher knapp 10 mal die Daten gecheckt) und ich freue mich auf eine hoffentlich sichere Heimreise und auf alles was ich hier vermisst habe inklusive Familie, Freunden, einem Studienplatz und dem heissgeliebten Gartenhaus. Danke fuer Interesse und tolles Feedback.  Cheers mates!
P.S.:Die Fotos habe ich nicht vergessen und wenn ich wieder zuhause bin kommt das Webalbum

21.9.10 12:50

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