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Endspurt

Meine Zeit in Tennant Creek neigt sich dem Ende. Rueckblickend bin ich froh hergekommen zu sein und nach dem schwierigen Start hatte ich eine Zeit voller guter und lehrreicher Erfahrungen. Eine davon waren Temperaturen um die 35°C und der Pool ein paar Meter von meiner Unit. Bei so genialem Wetter haben wir auch oft die Chance genutzt und kurze Trips in die Umgebung gemacht. Ziele waren die alte Telegraphenstation, um die sich seit 1872 die Siedlung Tennant Creek gebildet hat, eine alte Goldmine und jetzt gerade komme ich von meinem Abschlussgrillen am Mary Ann Dam, einem kleinen Stausee noerdlich der Stadt. Die Landschaft ist echt unglaublich und noch nie habe ich so schoene Sonnenuntergaenge und so atemberaubende Sternenhimmel gesehn. Wenn man ein paar Leute kennt, kann man hier sogar abends weggehen: Neben dem ein oder anderen Dinner mit Docs und Schwestern war ich bei einem Abend mit traditionellem Tanz und Musik und nach einer Pokernacht mit den Jungs vom Rettungsdienst habe ich gewuenscht ich haette deutsches Bier getrunken, denn ohne Reinheitsgebot ist der Kater doppelt so hart.

Auch Lerntechnisch ist Tennant Creek ein Volltreffer. Gerade weil es so klein ist, kennt man nach ein paar Tagen die ganze Belegschaft und das macht es leichter, mit in die Arbeit einbezogen zu werden. Ich lege hier und da mal einen Zugang, lerne viel Diagnostik und vor allem auch Routine im Umgang mit Patienten und Equipment. Letzte Woche hatten wir eine 51 jaehrige Frau, die seit Mittags hier war und deren infektionsbedingt angeschwollene Zunge immer groesser wurde. Als abends um 11 der RFDS (Royal Flying Doctor Service) endlich kam, war atmen nur noch durch den Schlauch in der Nase moeglich. Der Notarzt wollte sicher gehen und hat sich entschieden die Patientin narkotisiert und kuenstlich beatmet zu transportieren. Wegen der riesen Zunge ist die Intubation aber mehrmals fehlgeschlagen und ohne Sauerstoff machen weder Herz noch Gehirn lange mit. Der andere Doc hat deshalb ohne Erfolg versucht einen Luftroehrenschnitt zu machen und schneller als ich gucken konnte stand ich im Schockraum und habe das erste Mal auf einer Toten rumdrueckt. Das ganze war eine ziemlich blutige und unschoene Angelegenheit und dem nicht genug sind beim Intubieren Zaehne herausgebrochen, wir mussten defibrillieren und nachdem wir sie mehrmals verloren und wiederbelebt haben, wurde sie morgens um 5 halbwegs stabil richtung Alice Springs geflogen. Meine erste Reanimation war ziemlich heftig, unglaublich lang und trotzdem leider nur primaer erfolgreich – 1 Tag spaeter ist die Patientin auf der Intensiv in Alice gestorben. Mein Lernen ist immer ein zweischneidiges Schwert. Fuer mich gibts es kaum Besseres als solche Faelle und man wird von Mal zu Mal sicherer und gelassener im Umgang mit schwierigen Situationen aber ich versuche nie zu vergessen, dass andere dafuer einen hohen Preis zahlen.

Der Plan, mit dem Rettungsdienst mitzufahren, hat funktioniert. Bisher habe ich zwei Nachtschichten gemacht, eine davon war sogar einsatztechnisch gut bestueckt und morgen abend hoffe ich auf eine weitere Schicht voller Action. Freitag abend ist dann hier Ende und meine Reise geht weiter mit Aaron. Mit ihm hat mein Schicksal mal wieder den Vogel abgeschossen. Er hat hier unten Urlaubsvertretung fuer einen Kollegen vom Rettungsdienst gemacht und wie der Zufall es will hoert er am selben Tag wie ich auf und nimmt mich mit nach Darwin. Dem nicht genug kann ich da oben bei ihm pennen und wie ich hat er Zeit und Lust auf Abenteuer: Unser Plan ist bis Katherine zu fahren, wo wir eine Nacht bei einem anderen Paramedic schlafen und am naechsten Tag Katherine Gorge (Schluchten und Wasserloecher im Verlauf des Katherine River) sehen. Dann gehts ueber einen Umweg durch den Litchfield National Park und weiter nach Darwin. Ausserdem will Aaron mich zum Barramundi (beliebte Fischsorte) Angeln mitnehmen und ich sehe hoffentlich wilde Krokodile. Ich freue mich schon recht uebel und kann es zudem kaum erwarten, mal wieder richtig feiern zu gehn.

Insgesamt ist also alles top und ich freue mich auf den Rest meiner Zeit und dann auf Zuhause. Der naechste Blog kommt dann aus Darwin. Bis dahin einen Gruss

8.9.10 16:02

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