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the aviator

Seit Freitag bewohne ich jetzt mein neues Zuhause  auf dem Krankenhauscampus. Ich habe ein kingsize Bett, eine kleine Kueche, Badezimmer und sogar Waschmaschine und Buegeleisen. Davon habe ich zur Demonstration meiner wiedererlangten Haeuslichkeit (und weil Alles durchtranspiriert war) erstmal intensivst Gebrauch gemacht. Ich bin unterdessen Rekordhalter in Sachen Arbeitszeit. Ich bin meistens gegen 11 hier und bleibe mit Unterbrechung zur Nahrungsaufnahme meistens bis nachts um 3 oder laenger je nachdem wie viel zu tun ist. Ich darf Zugaenge legen, Tetanusspritzen geben und mit viel Glueck krieg ich bald Unterricht im Naehen.
Freitag Abend der erste etwas heftigere Fall. Gegen 5pm ist ein bewusstloser 4jaehriger reingetragen worden. Er war vom Dach gefallen und hatte auch ne ordentliche Beule am Kopf.  Er war ziemlich schnell wieder wach aber sah nicht sehr gut aus. Nach einer Weile hat er dann angefangen zu Krampfen, ein moegliches Symptom fuer Hirnblutung. Der Royal Flying Doctor Service hat ihn dann nach stundenlangen Vorbereitung kuenstlich beatmet nach Alice Springs geflogen und am naechsten Tag haben wir mit Freude erfahren, dass er ueberlebt hat. So erfahren Aerzte und Schwestern auch sind, bei Kindern ist die Anspannung doch merklich groesser.
Samstag war in der Stadt ein „footie match“. Footie oder Australian Rules Football ist hier der Nationalsport und noch populaerer als Rugby. Ich werde mir nicht die Muehe machen alle Regeln zu erklaeren, da es ist etwas kompliziert ist, wenn man es nicht selber gesehen hat, aber es ist eine Mischung aus Handball, Fussball und Rugby auf einem ellipsoiden Feld, mit dem Ziel in 4x25 Minuten den Ball so oft wie moeglich zwischen die gegnerischen Pfosten zu bringen. Die Fans (hauptsaechlich indiogener Herkunft) haben der Sache ne Menge Stimmung verpasst und es war der erste kulturell wertvolle Ausschnitt oeffentlichen Lebens, den ich hier gesehen habe.
Am selben Abend war geplant mit ein paar Leuten aus dem Krankenhaus zum Buergerhaus zu gehen, wo zwei Afrikanische Bands ein Festival namens Desert Harmony eroeffnen sollten. Treffpunkt war Notaufnahme und als ich 5 Minuten vor der Zeit da war, habe ich drei Cops, den Boden mit einer Blutspur aber kein Personal angetroffen. Der entsprechende Patient war nach einer Schlaegerei auf der Flucht, hat versucht, ueber einen Zaun zu springen und neben der Platzwunde am Kopf hatte er jetzt auch noch einen deftigen Schnitt am Sprunggelenk und die Sehnen kamen mir entgegen als ich angefangen hab ihn und spaeter den Boden sauber zu machen. Ein typischer Ausschnitt einer Samstag Nacht in Tennant Creek. Der Rest des Abends war genial. Die Bands waren super und haben trotz begrenzter Besucherzahlen die Tanzflaeche komplett gefuellt. Spaeter noch ein Bierchen mit einem Hollaender, der 25km suedlich von Tennant Creek fuer einen miesen Lohn in einem Motel kocht, um in einem Jahr endlich die Staatsbuergerschaft zu bekommen.
Als Doc finde ich hoffentlich einen besseren Weg.
Heute endlich Glueck: Ein Patient mit Verdacht auf einen dicken Tumor musste dringend nach Darwin geflogen werden und ich durfte mit. Waehrend der drei Stunden Flug bei genialem Wetter in der krankenhauseignen Cessna hat sich herausgestellt, dass der Patient ein Deutscher ist, der vor 50 Jahren nach Australien ausgewandert ist. Die Welt ist klein. Von oben haben wir auch (vermutlich kontrollierte) bushfires gesehen. Waldbraende sind in den hiesigen Temperaturen ein massives Problem und man versucht durch kontrolliert abgebrannte Schneisen groesseres Uebel zu verhindern. Nach einem Kaeffchen im tropischen Darwin durfte ich dann im Cockpit sitzen und wir sind in einen unglaublichen Sonnenuntergang reingeflogen, gefolgt von einem nicht weniger unglaublichen sternenklaren Himmel. Ich hoffe nochmal fliegen zu koennen, dann villeicht mal nach Alice Springs. Jetzt sitze ich wieder in der Notaufnahme und warte auf Beschaeftigung.
Rueckblickend hat sich die Sache fuer mich um 180 Grad gedreht und ich bin mittlerweile echt froh, dass ich hergekommen bin.
 Am 9. September muss ich aus der Wohnung raus, denn es kommt mehr Personal. Ich werde dann 2 Naechte hier im Krankenhaus schlafen und am 11. mit einem Mitarbeiter vom Rettungsdienst nach Darwin fahren, den ich hier in der Notaufnahme kennengelernt habe. Da werd ich mir dann bis zum 16. ein paar schoene Tage machen, hoffentlich junge, feierwuetige Menschen und ein paar Krokodile treffen und dann am 16. nach Melbourne zurueckfliegen. Am 22. geht dann mein Flug Richtung Heimat also stellt schonmal das Bier kalt.
Ich muss mich fuer die anhaltende Fotoabstinenz entschuldigen aber es gibt Hoffnung, denn ich habe jetzt ein Webalbum bei Picasa und wenn ich genug hochgeladen habe, werde ich das in den naechsten Tagen freigeben. Der Link erscheint dann hier. Bis dahin uebe man sich in Geduld
 

Liebe Gruesse

 

29.8.10 17:54

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