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Shitmagnet

Mit dieser fuer mich so vielsagenden Ueberschrift moechte ich meinen letzten Blog aus Australien betiteln. Zum Verstaendis dieses Terms blicke man zurueck in die Zeit im Krankenhaus in Tennant Creek: Mitarbeiter, die waehrend ihrer Schicht generell eine ungewoehnlich groesse Anzahl Patienten oder besonders schwere Faelle bekommen haben wurden als “shitmagnets” bezeichnet, da sie die Scheisse foermlich angezogen haben. Gleiches galt fuer die Rettungswache. Ich habe mich durchaus als shitmagnet etabliert - gut fuer mich denn besser lernt man nicht. Soviel zum Vokabular.
Meine Zeit war aber nicht nur von “shitmagnetismus” gepraegt. So haben wir uns am Freitag, dem 10. September von Tennant Creek auf den Weg richtung Norden gemacht und sind nachts in unserem Quartier in Katherine bei einem Kollegen von Aaron angekommen. Am naechsten Morgen gings weiter richtung Katherine Gorge, wo ich beim Schwimmen in einem grossen Wasserloch von kleinen Fischen attackiert wurde, die mich scheinbar als recht schmackhaft eingestuft haben. Auf dem Weg nach Norden kann man der Landschaft dabei zusehen wie aus Steppe Tropen werden und wie Wetter und Vegetation sich jede Minute aendern. Es wurde immer heisser und immer gruener und in Darwin angekommen war ich froh, das unsere Bleibe klimatisiert war, sonst waere ich ernsthaft geschmolzen. Die Wohnung liegt direkt an der Kueste aber ausser in Sachen Aussicht hat das keinen grossen Vorteil den man kann nicht schwimmen. Fuer alle die doch verzweifelt genug sind bestehen folgende Optionen: Wer nicht als Krokodilfutter endet hat gute Chancen von einem Hai gefressen zu werden und selbst wenn man den ueberlebt gibt es noch Box Jellyfish (Wuerfelquallen), eine der toedlichsten Tierarten der Welt. Ich als lebensfroher Mensch habe mich also mit Spaziergaengen am Strand zufrieden gegeben. Ein weiteres Event in Darwin waren die Mindill Markets mit viel gutem Essen und hunderten Besuchern, die sich am Ende alle zusammenfinden, um den wahnsinns Sonnenuntergang am Strand zu sehen. Mein Highlight war auf jeden Fall der Tag im Crocodylus Park. Ich durfte Monsterkrokodile fuettern und Babycrocs auf den Arm nehmen. Ausserdem haben wir einen Tagesausflug in den Litchfield Nationalpark gemacht. Dort findet man riesige Termitenhuegel, Spinnen, Geckos, Fledermaeuse und Wasserloecher, die eine wilkommene Abkuehlung bieten. An einem anderen Tag sind wir in Aarons Boot raus aufs Meer und haben Reusen ausgelegt. Die Ernte war mit nur einem Monsterkrebs aber recht arm und so haben wir zum Abendessen Aarons selbstgefischte Seafood Vorraete gepluendert.  Die Zeit ging viel zu schnell rum und nach ein paar Grillsessions, selbstgeschlachteten Kokusnuessen und dem ein oder anderen Bier war es Donnerstag.
Morgens wurde ich von einem Anruf geweckt, um zu erfahren, dass mein Flug nach Melbourne nicht wie ich dachte, am selbigen Abend geht, sondern seit ein paar Stunden weg ist. Der shitmagnetismus hatte also die Grenzen der Klinik verlassen und in Kombination mit meiner neu adaptierten laidbackness (Gelassenheit), die ich in meiner Zeit hier erlernt habe, ist es zu einer unglaublich grossen Ansammlung an Doofheit gekommen, die mich meinen europaeischen Kontrollwahn und 200$ fuer den naechsten Flug gekostet hat. Zurueck in Melbourne war ich froh eine Zeit voller Herausforderungen und unvergesslicher Erfahrungen abschliessen zu koennen und noch am selben Tag sind wir zum Ferienhaus der Moffatts am Lake Eildon, ein paar Stunden noerdlich von Melbourne, gefahren. Nach einem Samstag Abend wie er sein sollte mit Grillen, Dosenbier, Schallplatten, Kaminfeuer und tiefgruendigem Gelaber bis tief in die Nacht war der naechste Tag der Arbeit gewidmet. Der See hat nach 14 Jahren Duerre in diesem Jahr endlich wieder einen Fuellstand von 60% erreicht – Tendenz steigend.  In der Zeit ist jedoch das ganze Ufer mit Teebaeumen zugewachsen, die es jetzt zu kappen und verbrennen galt, um einen Zugang fuer das Boot zu schaffen. Und da ich scheinbar noch nicht genug Scheisse angezogen hatte und villeicht auch als Strafe fuers Arbeiten am Sonntag, bin ich auf dem schlammigen Boden ausgerutscht und habe mir die Kettensaege ins Knie gepflanzt. Zum Glueck ein recht sauberer und nicht uebermaessig grosser Schnitt aber leider recht tief und deshalb habe ich das Australische Gesundheitssystem letztlich auch aus Patientensicht kennenlernen duerfen und wurde im naechsten Krankenhaus genaeht. Auch der Doktor war sichtlich erfreut Sonntag abends arbeiten zu duerfen.
Jetzt ist aber alles geflickt, ich sitze sicher und bisher ohne weitere Zwischenfaelle mit der Scheissanziehungskraft am Tisch mit meiner Gastfamilie und geniesse ein letztes Dinner mit den Menschen, ohne die das alles hier nicht moeglich gewesen waere – THANKS HEAPS!!! Morgen abend geht mein Flug  (ich habe bisher knapp 10 mal die Daten gecheckt) und ich freue mich auf eine hoffentlich sichere Heimreise und auf alles was ich hier vermisst habe inklusive Familie, Freunden, einem Studienplatz und dem heissgeliebten Gartenhaus. Danke fuer Interesse und tolles Feedback.  Cheers mates!
P.S.:Die Fotos habe ich nicht vergessen und wenn ich wieder zuhause bin kommt das Webalbum

21.9.10 12:50, kommentieren

Endspurt

Meine Zeit in Tennant Creek neigt sich dem Ende. Rueckblickend bin ich froh hergekommen zu sein und nach dem schwierigen Start hatte ich eine Zeit voller guter und lehrreicher Erfahrungen. Eine davon waren Temperaturen um die 35°C und der Pool ein paar Meter von meiner Unit. Bei so genialem Wetter haben wir auch oft die Chance genutzt und kurze Trips in die Umgebung gemacht. Ziele waren die alte Telegraphenstation, um die sich seit 1872 die Siedlung Tennant Creek gebildet hat, eine alte Goldmine und jetzt gerade komme ich von meinem Abschlussgrillen am Mary Ann Dam, einem kleinen Stausee noerdlich der Stadt. Die Landschaft ist echt unglaublich und noch nie habe ich so schoene Sonnenuntergaenge und so atemberaubende Sternenhimmel gesehn. Wenn man ein paar Leute kennt, kann man hier sogar abends weggehen: Neben dem ein oder anderen Dinner mit Docs und Schwestern war ich bei einem Abend mit traditionellem Tanz und Musik und nach einer Pokernacht mit den Jungs vom Rettungsdienst habe ich gewuenscht ich haette deutsches Bier getrunken, denn ohne Reinheitsgebot ist der Kater doppelt so hart.

Auch Lerntechnisch ist Tennant Creek ein Volltreffer. Gerade weil es so klein ist, kennt man nach ein paar Tagen die ganze Belegschaft und das macht es leichter, mit in die Arbeit einbezogen zu werden. Ich lege hier und da mal einen Zugang, lerne viel Diagnostik und vor allem auch Routine im Umgang mit Patienten und Equipment. Letzte Woche hatten wir eine 51 jaehrige Frau, die seit Mittags hier war und deren infektionsbedingt angeschwollene Zunge immer groesser wurde. Als abends um 11 der RFDS (Royal Flying Doctor Service) endlich kam, war atmen nur noch durch den Schlauch in der Nase moeglich. Der Notarzt wollte sicher gehen und hat sich entschieden die Patientin narkotisiert und kuenstlich beatmet zu transportieren. Wegen der riesen Zunge ist die Intubation aber mehrmals fehlgeschlagen und ohne Sauerstoff machen weder Herz noch Gehirn lange mit. Der andere Doc hat deshalb ohne Erfolg versucht einen Luftroehrenschnitt zu machen und schneller als ich gucken konnte stand ich im Schockraum und habe das erste Mal auf einer Toten rumdrueckt. Das ganze war eine ziemlich blutige und unschoene Angelegenheit und dem nicht genug sind beim Intubieren Zaehne herausgebrochen, wir mussten defibrillieren und nachdem wir sie mehrmals verloren und wiederbelebt haben, wurde sie morgens um 5 halbwegs stabil richtung Alice Springs geflogen. Meine erste Reanimation war ziemlich heftig, unglaublich lang und trotzdem leider nur primaer erfolgreich – 1 Tag spaeter ist die Patientin auf der Intensiv in Alice gestorben. Mein Lernen ist immer ein zweischneidiges Schwert. Fuer mich gibts es kaum Besseres als solche Faelle und man wird von Mal zu Mal sicherer und gelassener im Umgang mit schwierigen Situationen aber ich versuche nie zu vergessen, dass andere dafuer einen hohen Preis zahlen.

Der Plan, mit dem Rettungsdienst mitzufahren, hat funktioniert. Bisher habe ich zwei Nachtschichten gemacht, eine davon war sogar einsatztechnisch gut bestueckt und morgen abend hoffe ich auf eine weitere Schicht voller Action. Freitag abend ist dann hier Ende und meine Reise geht weiter mit Aaron. Mit ihm hat mein Schicksal mal wieder den Vogel abgeschossen. Er hat hier unten Urlaubsvertretung fuer einen Kollegen vom Rettungsdienst gemacht und wie der Zufall es will hoert er am selben Tag wie ich auf und nimmt mich mit nach Darwin. Dem nicht genug kann ich da oben bei ihm pennen und wie ich hat er Zeit und Lust auf Abenteuer: Unser Plan ist bis Katherine zu fahren, wo wir eine Nacht bei einem anderen Paramedic schlafen und am naechsten Tag Katherine Gorge (Schluchten und Wasserloecher im Verlauf des Katherine River) sehen. Dann gehts ueber einen Umweg durch den Litchfield National Park und weiter nach Darwin. Ausserdem will Aaron mich zum Barramundi (beliebte Fischsorte) Angeln mitnehmen und ich sehe hoffentlich wilde Krokodile. Ich freue mich schon recht uebel und kann es zudem kaum erwarten, mal wieder richtig feiern zu gehn.

Insgesamt ist also alles top und ich freue mich auf den Rest meiner Zeit und dann auf Zuhause. Der naechste Blog kommt dann aus Darwin. Bis dahin einen Gruss

8.9.10 16:02, kommentieren

the aviator

Seit Freitag bewohne ich jetzt mein neues Zuhause  auf dem Krankenhauscampus. Ich habe ein kingsize Bett, eine kleine Kueche, Badezimmer und sogar Waschmaschine und Buegeleisen. Davon habe ich zur Demonstration meiner wiedererlangten Haeuslichkeit (und weil Alles durchtranspiriert war) erstmal intensivst Gebrauch gemacht. Ich bin unterdessen Rekordhalter in Sachen Arbeitszeit. Ich bin meistens gegen 11 hier und bleibe mit Unterbrechung zur Nahrungsaufnahme meistens bis nachts um 3 oder laenger je nachdem wie viel zu tun ist. Ich darf Zugaenge legen, Tetanusspritzen geben und mit viel Glueck krieg ich bald Unterricht im Naehen.
Freitag Abend der erste etwas heftigere Fall. Gegen 5pm ist ein bewusstloser 4jaehriger reingetragen worden. Er war vom Dach gefallen und hatte auch ne ordentliche Beule am Kopf.  Er war ziemlich schnell wieder wach aber sah nicht sehr gut aus. Nach einer Weile hat er dann angefangen zu Krampfen, ein moegliches Symptom fuer Hirnblutung. Der Royal Flying Doctor Service hat ihn dann nach stundenlangen Vorbereitung kuenstlich beatmet nach Alice Springs geflogen und am naechsten Tag haben wir mit Freude erfahren, dass er ueberlebt hat. So erfahren Aerzte und Schwestern auch sind, bei Kindern ist die Anspannung doch merklich groesser.
Samstag war in der Stadt ein „footie match“. Footie oder Australian Rules Football ist hier der Nationalsport und noch populaerer als Rugby. Ich werde mir nicht die Muehe machen alle Regeln zu erklaeren, da es ist etwas kompliziert ist, wenn man es nicht selber gesehen hat, aber es ist eine Mischung aus Handball, Fussball und Rugby auf einem ellipsoiden Feld, mit dem Ziel in 4x25 Minuten den Ball so oft wie moeglich zwischen die gegnerischen Pfosten zu bringen. Die Fans (hauptsaechlich indiogener Herkunft) haben der Sache ne Menge Stimmung verpasst und es war der erste kulturell wertvolle Ausschnitt oeffentlichen Lebens, den ich hier gesehen habe.
Am selben Abend war geplant mit ein paar Leuten aus dem Krankenhaus zum Buergerhaus zu gehen, wo zwei Afrikanische Bands ein Festival namens Desert Harmony eroeffnen sollten. Treffpunkt war Notaufnahme und als ich 5 Minuten vor der Zeit da war, habe ich drei Cops, den Boden mit einer Blutspur aber kein Personal angetroffen. Der entsprechende Patient war nach einer Schlaegerei auf der Flucht, hat versucht, ueber einen Zaun zu springen und neben der Platzwunde am Kopf hatte er jetzt auch noch einen deftigen Schnitt am Sprunggelenk und die Sehnen kamen mir entgegen als ich angefangen hab ihn und spaeter den Boden sauber zu machen. Ein typischer Ausschnitt einer Samstag Nacht in Tennant Creek. Der Rest des Abends war genial. Die Bands waren super und haben trotz begrenzter Besucherzahlen die Tanzflaeche komplett gefuellt. Spaeter noch ein Bierchen mit einem Hollaender, der 25km suedlich von Tennant Creek fuer einen miesen Lohn in einem Motel kocht, um in einem Jahr endlich die Staatsbuergerschaft zu bekommen.
Als Doc finde ich hoffentlich einen besseren Weg.
Heute endlich Glueck: Ein Patient mit Verdacht auf einen dicken Tumor musste dringend nach Darwin geflogen werden und ich durfte mit. Waehrend der drei Stunden Flug bei genialem Wetter in der krankenhauseignen Cessna hat sich herausgestellt, dass der Patient ein Deutscher ist, der vor 50 Jahren nach Australien ausgewandert ist. Die Welt ist klein. Von oben haben wir auch (vermutlich kontrollierte) bushfires gesehen. Waldbraende sind in den hiesigen Temperaturen ein massives Problem und man versucht durch kontrolliert abgebrannte Schneisen groesseres Uebel zu verhindern. Nach einem Kaeffchen im tropischen Darwin durfte ich dann im Cockpit sitzen und wir sind in einen unglaublichen Sonnenuntergang reingeflogen, gefolgt von einem nicht weniger unglaublichen sternenklaren Himmel. Ich hoffe nochmal fliegen zu koennen, dann villeicht mal nach Alice Springs. Jetzt sitze ich wieder in der Notaufnahme und warte auf Beschaeftigung.
Rueckblickend hat sich die Sache fuer mich um 180 Grad gedreht und ich bin mittlerweile echt froh, dass ich hergekommen bin.
 Am 9. September muss ich aus der Wohnung raus, denn es kommt mehr Personal. Ich werde dann 2 Naechte hier im Krankenhaus schlafen und am 11. mit einem Mitarbeiter vom Rettungsdienst nach Darwin fahren, den ich hier in der Notaufnahme kennengelernt habe. Da werd ich mir dann bis zum 16. ein paar schoene Tage machen, hoffentlich junge, feierwuetige Menschen und ein paar Krokodile treffen und dann am 16. nach Melbourne zurueckfliegen. Am 22. geht dann mein Flug Richtung Heimat also stellt schonmal das Bier kalt.
Ich muss mich fuer die anhaltende Fotoabstinenz entschuldigen aber es gibt Hoffnung, denn ich habe jetzt ein Webalbum bei Picasa und wenn ich genug hochgeladen habe, werde ich das in den naechsten Tagen freigeben. Der Link erscheint dann hier. Bis dahin uebe man sich in Geduld
 

Liebe Gruesse

 

1 Kommentar 29.8.10 17:54, kommentieren

Tennant Creek

Was fuer ein Kaff... das war alles was mir durch den Kopf ging als ich hier angekommen bin. Aber ich fang mal von ganz vorne an…


Wie berichtet hab ich ja seit Wochen verzweifelt versucht einen Praktikumsplatz in einem Krankenhaus zu bekommen. Nachdem meine bisherige “Heimatstadt” Melbourne sich trotz unzaehliger Connections und Versuche ueber meine sehr bemuehte Gastfamilie als Nullnummer herausgestellt hat, war mir auch der Ort egal. Krankenhaeuser im gesamten Staat Queensland hatten jeweils andere Gruende aber alle keinen Platz. Dann habe ich es im Northern Territory versucht. Mittwoch nach Tagen voller Telefonorgien endlich die Zusage aus Tennant Creek.


Nicht das ich irgendeine Ahnung hatte was mich hier erwartet. Ein kurzer Blick auf Google Maps hat mir als (Achtung Ironie!) Organisationstalent als Vorbereitung gereicht. Ein Anruf beim hiesigen Backpackers und mir wurde bei laengerem Aufenthalt ein Rabatt versprochen. Kurz noch einen Flug gebucht und Donnerstag 6.50am mit Tiger Airlines nach Alice Springs (Freunde der Beinfreiheit lasst die Finger von dieser Fluggesellschaft). Leider war es sehr bewoelkt und so hab ich erst bei der Landung die unglaublich Landschaft und die typische rote Erde des “red center” gesehn.   

Wie angekuendigt wollte ich es ja mit trampen probieren, da ich zu geizig war fuer eine Busfahrt 180$ zu lassen. Komplett ohne Erfahrung im “hitchhiking” hab ich mich ganz dreist vor den Flughafen gestellt und Leute gefragt, ob ich einen “lift” in die Stadt bekommen kann. Alan, der in Alice wohnt und von einem Auftritt mit seiner Band aus Melbourne zurueckgekommen ist, hat kaum 5 min auf sich warten lassen und schon war ich an der Truckstation am noerdlichen Rand der Stadt. Vor mir lagen 507 km Asphalt und ich habe mich erstmal auf offener Strasse entkleidet – ich war am schwitzen wie ein Elch. In Melbourne war es die letzten Wochen kalt, nass und windig. Dementsprechend gekleidet kann man mitten in der Wueste schonmal zum Transpirationsmonster mutieren. In passender Klamotte und diesmal ganz klassisch mit Daumen raus gings weiter. Nach ca. 45 min und wenig Verkehr haben zwei Englaender mitte 20 angehalten, die in der Gegend arbeiten, und mich 20 km noerdlich der Stadt auf dem Stuart Highway an einer Kreuzung mitten im Busch abzusetzen. Hier faehrt neben dem normalen Verkehr auch ab und zu mal eine der fuer Australien bekannten “Road Trains “ vorbei. Das sind riesen LKW’s mit mehreren Anhaengern, die Vieh oder andere Gueter quer durch das ganze Land heizen. Nach knapp einer Stunde ohne Erfolg bremste endlich ein weisser Pick Up gefahren von Vince. Vince ist mitte 40 und kommt aus dem noerdlichsten Zipfel Australiens. Und da der Stuart Highway in der Gegend die einizige Verbinung nach Norden ist, lag Tennant Creek  zufaellig auf dem Weg. Vince arbeitet in einem staatlichen Foerderungsprogramm fuer indiogene Maenner, indem versucht wird, so vielen wie moeglich einen Arbeitsplatz zu verschaffen und ihnen so eine Chance zur Integration zu geben. Wir hatten gute Gespraeche und zu meinem Glueck hatte er sogar genug Zeit an den “Devils Marbles” anzuhalten. Das ist eine Felsformation direkt am Highway, die vor ziemlich langer Zeit durch die Gezeiten enstanden ist. Die Aboriginies halten die roten Steine wegen ihrer oft runden Form fuer die Eier der Regenbogenschlange aus der Traumzeit. Nach einer halben Stunde und vielen Fotos gings weiter richtung Norden.


In Tennant Creek angekommen hat Vince mich beim Backpackers abgesetzt, dass das Krankenhaus mir vorher empohlen hatte. Anders als am Telefon war auf einmal doch kein Rabatt mehr drin. Der alte Sack von Besitzer hat sich eiskalt dumm gestellt und behauptet er wisse von nichts bevor er spaeter am abend nicht zu knapp dem Alkohol gefroehnt hat. Ich habe eine halbe Stunde gekaempft einen Anruf nach Melbourne zu kriegen, damit wenigstens meine Gastfamilie glaubt, dass ich lebe. Fuer 25$ habe ich dann meinen Raum ohne Vertstauungsmoeglichkeiten fuer mein Gepaeck, mit zu kurzem Bett aber Kakerlaken inklusive bezogen. Der hygienische Zustand der gesamten Einrichtung war abenteuerlich und ich konnte wegen Hitze und kaputtem Ventilator sowie einer spontanen Nasenblutattacke mitten in der Nacht kaum schlafen. Morgens war ich mir dann meiner Sache sehr sicher und habe das Etablissement mit Gepaeck wieder verlassen. Selten war es mir so egal was als naechstes passiert und ohne Bleibe war ich mir fast sicher das ich noch am selben Tag die Rueckreise antreten, oder weiter nach Norden trampen wuerde – Hauptsache raus aus dem Drecksloch. In dem Moment war ich doch recht froh mir nicht selber auf der Strasse begegnen zu muessen.


Bin dann erstmal zum Krankenhaus, um mich vorzustellen und das Problem zu schildern. Hier hat man mir gemaess der australischen Gelassenheit empfohlen, einen Tag der Gewoehnung im Krankenhaus zu verbringen und dann alles weitere zu entscheiden. Bezueglich Uebernachtungsmoeglichkeiten bekam ich die australische Standardantwort:“no worries mate“. Also hab ich mich erstmal rumfuehren lassen. Das Krankenhaus ist mit 20 Betten recht klein, hat aber als das Einzige in einer unglaublich grossen Region genug zu tun. Alles was die Reichweite eines Rettungsfahrzeugs uebersteigt wird geflogen. Im Moment arbeiten hier nur zwei Aerzte pro Schicht und einer in der Nacht. Meinen ersten Tag habe ich in der Notaufnahme verbracht und in der Zwischenzeit hatte sich auch eine Bleibe gefunden. Um 9 Uhr abends wurde ich von der Krankenhaus-Security ein paar Strassen weiter zu einer kleinen Wohnung gebracht, weil man in der Dunkelheit kaum alleine rausgehn kann – zu gefaehrlich, aber dazu spaeter mehr. Die Wohnung gehoerte drei anderen Praktikanten, deren Organisation die Miete zahlt. Ich habe von einem anderen Krankenpfleger einen Swag (eine Buschisomatte mit komplett verschliessbarer Aussenhuelle zum Schutz gegen Schlangen und Insekten) und Schlafsack bekommen und den Wohnzimmerboden bezogen. Die erste Nacht dort war um Welten besser als der Alptraum von Backpackers und ich bin halbwegs erholt zu meinem zweiten Einsatz in der Notaufnahme erschienen.


Schon morgens ist es hier recht heiss und einer der Patienten hat mir gerade gesagt, dass ich in 2 Wochen mit ueber 40 Grad rechnen kann. Deshalb war ich froh zu hoeren, dass es hier keinen Dresscode gibt; selbst die Aerzte tragen Shorts. Auch Arbeitszeiten sind Fehlanzeige. Die Gelassenheit der Leute hier ist eine der Sachen, die ich auf jeden Fall mitnehmen moechte. Ich durfte ab dem zweiten Tag Blut abnehmen und werde auch sonst gut mit in die Arbeit einbezogen. Eigentlich haette ich schon eine schwangere Patientin im krankenhauseigenen Flugzeug runter nach Alice begleiten duerfen aber dann haben wir erfahren, dass der Fluegel abgefallen ist und wir nicht starten koennen. Waehrend dem letzten Flug ist die Tuer abgefallen also ich freue mich schon auf meine Chance das Geraet mal in Action zu sehen. Ausserdem habe ich villeicht die Moeglichkeit ein paar Schichten beim Rettungsdienst mitzufahren, was sicher eine geniale Erfahrung waere. Insgesamt bieten sich hier doch  mehr Chancen als gedacht und die Erfahrungen sind komplett anders als alles, das ich in Deutschland je gesehen haette.


Die Arbeit mit den Aboriginies, die den Grossteil der Patienten ausmachen, ist eine dieser Erfahrungen. Die Aboriginies wurden in der Kolonialzeit ihrer Laender, Kinder und Wuerde enteignet. Noch bis in die spaeten 1960er Jahre war es erlaubt Aboriginies zu toeten, Eltern wurden ihrer Kinder beraubt und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung. Von Wahlrecht und dergleichen brauch ich wohl nicht anfangen und das Ausmass der Perversionen, die an diesen Menschen veruebt wurden, ist ohnehin kaum in Worte zu fassen. Die Schwestern sagen, dass alte weisse Patienten aus der Gegend manchmal ihre „Lizenz zum Toeten“ praesentieren, die es damals wirklich gab. Auch heute noch ist Rassismus gegenueber Aboriginies nicht ungewoehnlich. Ich wusste ueber die Situation und die Geschichte dieses Volkes bisher wenig oder gar nichts und mit jedem Bisschen, das ich hoere oder nachlese wird mir schlechter und gleichzeitig bewusst warum hier alles so ist wie es ist. Als Durchschnitts-Tourist sieht man diese dunkele Seite Australiens nicht. Und  Und die gluecklichen Besserverdiener, die vor ihrem Wohnmobil sitzen und bei einem Glas Wein den Sonnenuntergang am Ulururu (Ayers Rock) geniessen wissen meist nicht, dass ihr Glueck auf der anderen Seite des Wahrzeichens Menschen ins Uebel stuerzt. Die staatlichen Ausgleichszahlungen, die die Aboriginies fuer das Land bekommen, das ehemals ihnen gehoerte, haben kaum einen guten Effekt. Im Fall vom Ayers Rock reden wir von einer Aboriginiegemeinde mit dem aus medizinischer Sicht groessten Drogenproblem im ganzen Northern Territory. Wie auch soll ein Volk, das gelernt hat im Einklang mit der Natur zu leben, mit Unmengen von Geld umgehen. Indiogene Einwohner Australiens werden als Widergutmachung in vielen Teilen des Lebens finanziell unterstuetzt. So ist zum Beispiel die medizinische Versorgung komplett kostenlos, Kredite sind sehr viel guenstiger und auch Bildung indiogener Kinder wird stark gefoerdert. Nur ist es schwierig die Probleme der Aboriginies mit „weissen“ Wertvorstellungen anzugehen. Man findet hier Haeuser mit Loechern im Wohnzimmerboden in denen Feuer gemacht wird und im Haus lebt nicht eine Familie wie wir es kennen sondern die ganze Sippe. Der Durchschnittshaushalt im Northern Territory wird von 14 Menschen bewohnt. In den anderen Staaten liegt die Zahl ca. bei 2.5. Die indiogene Bevoelkerung hat zudem eine extrem hohe Anfaelligkeit fuer Suchterkrankungen und deshalb ist es kein Wunder, dass hier jede zweite Leber ein Wrack ist. Der gewuenschte Effekt der Integration funktioniert so einfach nicht. Mehr Geld bedeutet hier mehr Alkohol, mehr Gewalt und fuer mich mehr Einzelschicksale, die ich hier jeden Tag ein- und ausgehen sehe. Tagsueber wird man an jeder Ecke angebettelt und nachts kann man kaum auf die Strassen weil es regelmaessig zu Gewaltausbruechen von Betrunkenen kommt. Die Opfer werden dann hier wieder zusammengeflickt. Fuer mich bleibt nur genau diesen Schicksalen so nah wie moeglich zu kommen und zumindest fuer kurze Zeit ein bisschen Aufmerksamkeit, Interesse und Wertschaetzung anzubieten. An der Gesamtsituation kann ich in meiner kurzen Zeit kaum was aendern. Aber so schwierig die Situation auch ist – es wird viel getan, ich habe schon jetzt viele Menschen kennengelernt, die sich der Sache verschrieben haben und geniale Arbeit leisten und ich glaube und hoffe das sich noch viel bewegt.


Die meisten Aerzte und Schwestern sind nur auf Zeit hier, heimische Mitarbeiter sind seltener. Deshalb haben wir (2 Aerzte und 2 andere Praktikanten) in den letzten Tagen nach der Arbeit ab und zu kleine Touren in der Umgebung gemacht und uns die Gegend angeguckt. Besonders abends wenn es nicht so heiss ist, ist es wunderschoen. Wenn man hoch genug steht sieht man nichts als Busch bis zum Horizont und die Sonnenuntergaenge und Sternenklare Naechte sind unglaublich. Egal wo ich bin, ueberall sehe ich Tiere und Pflanzen, die ich vorher noch nie gesehen habe. Vorm Krankenhaus habe ich die Tage einen Blue Tongue Lizard (Eidechse mit blauer Zunge) angetroffen und ich hoffe bald auch mal die ein oder andere Schlange zu sehen, die bei diesen Temperaturen langsam rauskommen. Das Northern Territory beheimatet einige der toedlichsten Schlangen Australiens aber ich weiss wo das Antiserum steht.
Gestern habe ich einen Anruf von der Organisation bekommen, die die Wohnung stellt, in der ich bis dato den Boden beehrt habe. Ich moege mit sofortiger Wirkung meine Sachen packen und koenne die Wohnung nicht mehr nutzen, weil es aus versicherungstechnischen Gruenden nicht moeglich sei, mich weiterhin zu beherbergen. Ich habe eine weitere Nacht ausgehandelt, um zumindest eine Chance zu haben, was Neues zu suchen. Hat mich ziemlich ueberrannt die ganze Sache und bevor ich ueberhaupt wusste was los ist, war ich zum zweiten Mal obdachlos. Derartige Buerokratie hab ich hier bisher selten angetroffen aber was soll man machen. Habe allen hier im Krankenhaus bescheid gesagt und gewohnte Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft angetroffen. Ab morgen bewohne ich also eines der vom Krankenhaus gestellten Zimmer fuer Mitarbeiter. Jetzt bin ich seit 9 Uhr morgens in der Notaufnahme und mache eine Nachtschicht (lokale Uhrzeit 3 Uhr nachts), weil ich erst morgen einziehen kann. Mal sehn wie das wird - ich bin im Moment durch wenig zu schocken und blicke halbwegs gelassen auf was auch immer vor mir liegt. Bisher hat sich im Endeffekt alles zum Guten gewendet und ich bin mehr als gewillt das so weiterzufuehren.


Wie immer freue ich mich ueber Feedback, Fragen oder einfach einen netten Gruss aus der Heimat.
Denn erst wenn man lange darauf verzichten muss, merkt man, was und wen man so alles um sich hat und das man oft ohne Wertschaetzung vorbeilaeuft.


Ich halte euch auf dem Laufenden...


Cheers

1 Kommentar 26.8.10 03:45, kommentieren

Finally

Wer haette das gedacht... Wider meiner schon seit Wochen verreckten Hoffnung habe ich nach  stundenlangen und gleichermassen verhassten Telefonorgien doch glatt ein Krankenhaus klar gemacht. Mein neuer Arbeitgeber heisst Tennant Creek Hospital, befindet sich in gleichnamigem Ort mitten in Northern Territory und beheimatet 3100 Einwohner, von denen c a. ein drittel nach eigenen Angaben indiogener Herkunft ist. Mehr Outback geht nicht. Die Aboriginies haben innerhalb der weissen Bevoelkerung nicht immer den besten Ruf. Drogen und Kriminalitaet scheinen verbreitet aber ich werde mich vor jeder Art von Vorurteilen hueten und ich bin echt gespannt auf die Erfahrungen die auf mich warten.
Morgen frueh geht mein Flug von Melbourne nach Alice Springs und von da aus werde ich mich im trampen versuchen, da ich geizig wie ich bin nicht bereit bin den „Greyhound“menschen (grosses Busunternehmen) 180$ zu latzen. Nick hat mir mit „wolf‘s creek“ (Horrorfilm ueber einen verhaltensgestoerten Freak der Tramper foltert und umbringt) schon den entsprechenden Vorgeschmack verpasst aber ausgeruestet mit meinem neuen Akubra (Original Australischer Cowboyhut) und meinem Jagdmesser fuehle ich mich gut geruestet. Sollte ich Tennant Creek also wirklich lebend erreichen, werde ich natuerlich ausfuehrlichst Bericht erstatten. Bis dahin einen freundlichen Gruss (noch) aus Melbourne. Ich werde jetzt mit nie dagewesener Motivation packen und freu mich auf ein extrem australisches Abenteuer.  

Cheers

 

18.8.10 10:18, kommentieren

G’day mates

Nach 2 Wochen Blogabstinenz ist es wieder Zeit fuer ein bisschen schriftliche Aufarbeitung...
Leider habe ich bisher keinen Job im Krankenhaus bekommen koennen. Gruende sind die mir Gaesdonckerseits nur allzu gut bekannten versicherungstechnischer Art und das alle Studenten hier grad Ferien haben und scheinbar alle als Rollstuhlschieber im Krankenhaus arbeiten... demnach alles total ueberfuellt. Ich bin aber zuversichtlich, dass ich zumindest was Unbezahltes bekomme, wenn die Ferien hier Ende Juli vorbei sind. In der Zwischenzeit hat mein Gastvater mir einen Minijob im Garten angeboten. Ausserdem werd ich versuchen was hier in der Gegend zu bekommen, um ein bisschen cash zu machen... und sei es als Regaleinraeumer im Supermarkt.
Am Samstag (26.06.10) haben wir uns auf den Weg nach Port Fairy gemacht. Das ist ein ehemaliges Fischerdorf an der Kueste 4 Autostunden von hier. Ich durfte mit meiner frisch erworbenen "drivers license" den dicken Range Rover fahren, um Linksverkehr zu ueben und damit die andern trinken koennen. Meine ersten Eindruecke von der australischen Natur waren trotz maessigen Wetters echt der Hammer. Schade nur, dass das erste und einzige Kangaroo, das wir gesehn haben leicht verunstaltet am Strassenrand lag und scheinbar einer  "bullbar" (Stossstange) zum Opfer gefallen ist, die auf dem Land fast jedes Fahrzeug ziert. In Port Fairy angekommen sind wir direkt zum Haus eines Freundes und haben einen feucht froehlichen Abend verbracht. Sonntag morgens Katerfruehstueck mit Bacon & Eggs vom Grill. Dank Sonne hab ich mich sogar fuer ein paar Minuten ins Meer gewagt, denn unsere Bleibe lag genialerweise direkt am Strand. Sonntag abend Kneipentour und weiteres Versacken im Ferienhaus. Montag ist dann Gott sei Dank Richie zurueckgefahren ich war doch noch sehr mit Schlaf nachholen und ausnuechtern beschaeftigt.
Montag abend auf ins naechste Abenteuer mit Nick und Chris auf dessen Farm 2 Autostunden richtung Norden. Ein wunderschoenes altes Bauernhaus umgeben von unglaublich grossen Grasflaechen und Wald. Waere ich grad ein bisschen fluessiger waere das alles jetzt meins denn es steht zum Verkauf. Chris und Ich haben mit Crossmotorraedern eine Tour ins Tal gemacht. Abends sind wir mit einem extra dafuer konzipierten Vehikel jagen gegangen, denn vor allem Kaninchen sind hier eine Plage, da sie eingefuehrt sind und kaum natuerliche Feinde haben. Wir haben Fuechse, einen Wombat und endlich auch lebendige wilde Kangaroos gesehn. Chris‘ Bruder hat am naechsten morgen auch davon eins geschossen, dass wir abends in einen sehr gelungenen Braten verwandelt haben. Mittwoch war der ganze Spass auch wieder vorbei aber fuer mich steht jetzt schon fest, dass so oder so aehnlich auch meine Lifestylehobbyfarm aussehen wird, wenn ich sie denn eines Tages besitze. Dazu muss ich nur noch eine Australierin finden, die mich heiratet und dann arbeite ich hier als "flying doctor". Das wird ja wohl zu machen sein.
Donnerstag abend waren wir im "backpackers" einer Art Jugendherberge im Zentrum Melbournes und haben mit reisenden Jugendlichen aus der ganzen Welt Party gemacht. Nick und der Rest wollten weiterziehn mir haben der Laden und die Leute aber zu gut gefallen also bin ich geblieben. Eben noch die Adresse erfragt wo ich nachher naechtigen sollte, um dann spaeter beim Bier kaufen zu merken das ich absolut blank bin und ergo kein Taxi mehr bezahlen kann. Zumal ich nicht mal wusste wo ich bin. Als die Party vorbei war bin ich raus aus dem Laden. Nachdem ich den Securities die Adresse gezeigt hatte war ich um eine Information reicher: "unmoeglich die Strecke zu laufen, dafuer brauchst du mehr als ne Stunde und du wirst es nicht finden" - aber ich hatte ja kaum eine Wahl also los. Nach ca. 200 Metern Strecke haelt ein Taxi an und der Typ sagt: "Spring rein die Leute aus der Bar dahinten haben fuer dich zusammengeschmissen". Gibts was geileres als so ausgepraegte Gastfreundschaft? An besagter Adresse angekommen der naechste Reinfall: Alles zu kein Schluessel trotz Durchsuchens jedes erdenklichen Verstecks und auch die Gartentuer hinter dem 2 Meter Zaun war zu. Bin dann recht schnell vor der Haustuer eingeschlafen und wurde kurze Zeit spaeter von den anderen Heimkehrern geweckt und umquartiert. Was fuer eine Nacht. Freitag abend noch ins Kino: "get him to the greek" - geiler Film. Und gestern Nacht hab ich mit Freuden gesehen wie die Argentinier zerlegt wurden. Alles in allem laeufts also bis auf das Praktikum. Und da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Mehr faellt mir jetzt spontan auch nicht ein ich werd auch mal versuchen Fotos hochzuladen... Freu mich wie immer ueber Emails (l.erretkamps@web.de) oder Gaestebucheintraege.


Liebe Gruesse
    

1 Kommentar 4.7.10 08:29, kommentieren

hello everybody

Hier also meine ersten Eindruecke aus down under. Unglaublich, dass es doch noch soweit gekommen ist. Da die Jungs in Berlin leider ein bisschen Stress mit Horst hatten, hat mein Reisepass wohl etwas laenger gebraucht als normal. Letzte Woche Montag war er dann da und ab da gings was schneller. Dienstag hatte ich ein Visum,  Mittwoch einen Flug und am Montag, den 14. gegen 21.20 das letzte mal fuer 101 Tage deutschen Boden unter den Fuessen. Nach etwas mehr als 5 Stunden bin ich in Dubai gelandet. Was fuer eine Stadt. Leider konnte ich nicht aus dem Flughafen raus aber der Blick von oben hat gereicht um zu wissen, das ich auch da mal hintingeln werde, wenns die Zeit und mein Geldbeutel erlauben sollten. Die DutyFreeZone ist ca. so gross wie eine Etage des Centro in Oberhausen. Ich musste mich zwingen nur 5 Euro wechseln zu lassen, um dann beim Burger King ein mir bis dato unbekanntes Gericht zu bestellen. Immer umzingelt von freundlichen Arabern, die so ihre Lieblingswoerter hatten, wie mein Bruder Johannes mir bereits prophezeit hatte. So hiess es bei der Passkontrolle “hello my friend passport please” und als der gesichtet war “mister Lukas my friend this way please”.  Beim Burger King und in den Shops die gleiche unendliche Freundlichkeit. In Sachen Freunde/Zeiteinheit auf jeden Fall absoluter Rekord. Dann gings weiter in die naechste Maschine von Emirates Airlines. Gutes Essen, grosse Auswahl an Filmen und Musik, nette und gutaussehende Flugbegleiterinnen (ich wusste den Plural von Stewardess nicht). Alles Top bis auf die Beinfreiheit aber fuer meine zu lang geratenen Beine koennen die ja auch nichts.

Im Endeffekt hatte ich kein bisschen geschlafen, als ich planmaessig um 5.30 in Melbourne am Flughafen stand. Durch den security check bin ich doch einfacher gekommen als gedacht . Die vorher auszufuellenden passenger cards erfragen kritische Gepaeckstuecke. Besonders Holz, Tierprodukte und Waffen scheinen unerwuenscht zu sein. Ich hatte ein grosses Angelmesser, meinen Leatherman und Birkenholzkerzenstaender mit Bienenwachskerzen. Nach einem kurzen Schock, dass ich fast alle kritischen Fragen mit ja beantworten musste, und deshalb ein Interview mit dem Sicherheitspersonal bevorstand, war ich recht erleichtert, als der Securitymensch um 5.30 genauso wenig Bock hatte wie ich, meinen Koffer auseinanderzuklamuesern. Ich habe kurz erklaert was ich so alles dabei hab und er meinte “thats ok mate enjoy your stay”.

Am Ausgang haben mich bereits Pixie und Nick erwartet. Wie geil die beiden in ihrem Land wiederzusehn. Waehrend der Heimfahrt vorbei an der Skyline von Melbourne bei Nacht habe ich mich die ganze Zeit gefuehlt wie Pixie es knapp 1 Mio mal gesagt hat. “I just cant believe your here”.

Nach einem kurzen Snack und zwei Stunden schlaf hat Pixie mich mit in die Stadt genommen, wo ich dank dem schlechten Euro zu einer miserabelen Rate ein bisschen Geld gewechselt habe waehrend sie in der Uni war, um fuer die bevorstehende Deutschklausur zu lernen. Ich bin in der Zeit eineinhalb Runden mit dem gratis “tourist bus” durch Melbourne gefahren und  zwischendurch jetlegtechnisch weggepennt. In der Uni Melbourne durfte ich dann noch kurz ein bisschen Nachhilfe in deutsch geben.

Nach gefuehlten 2 Wochen ohne Schlaf kam selbiger mir Mittwoch abend doch sehr gelegen.

Morgens hab ich dann endlich mal meine Gastfamilie kennengelernt.

Caroline & Tony sind meine Gasteltern. Und neben Nick wohnen hier noch sein Bruder Rob mit seiner Verlobten und seine Schwester Felicity sowie die beiden Hunde Molly und Jessy. Der aeltere Bruder heisst Andrew und wohnt in England. Allesamt sehr nette herzliche Menschen.

Donnerstag abend bin ich mit Nick in einen Pub namens “der Raum”, um einen auf den Geburtstag seines Freundes Sam zu trinken. Dort hat man fuer ein Becks schlappe 9$ hingelegt, was die Gefahr des Betrinkens deutlich mindert. Ein Erdinger haette mich 13$ gekostet.

Freitag abend bin ich mit Felicity auf eine Party gegangen, deren Grund die bestandenen Zwischenpruefungen im Studium der Veterinaermedizin war. Hier war das Bier quite tasty und halb so teuer und das war im Nachhinein auch sehr wichtig, denn ich musste ja schliesslich den schandvollen “Loose” der deutschen Mannschaft mit ansehen. Wenn man mich als Fussballdesinteressierten fragt aber recht lustig, dass alle guten Teams versagen. Das bringt mal etwas frischen Wind in die ganze Sache. Am Morgen danach hat mir mein Kopf dann jedenfalls mitgeteilt, warum ein Pint nur 6,50$ gekostet hat. Solltet ihr also irgendwann mal bei einem Zapfhahn mit dem Namen Carlton Draught vorbeikommen meidet ihn, wenn ihr keine Freunde von dicken Koepfen seid. Gestern habe ich Nick dann bei seinem Aussie Football Spiel zugeguckt. Definitiv ein interessanter Sport aber ich hab bisher maximal die Haelfte der Regeln verstanden wuerde ich sagen. Abends bin ich dann mit Nick und seinem Kumpel Chris in ein Thai Restaurant gegangen. Ich war doch sehr verwundert als die beiden auf einmal ne Flasche Wein und n Sixer Bier auspacken und auf den Tisch stellen. Und der Dreistigkeit nicht genug kommt die Kellnerin und fragt, ob die das Bier kalt stellen soll und bringt Weinglaeser. Nach kurzer Erklaerung wusste ich: Das Ganze heisst BYO (bring your own) und geht in vielen Lokalen in Melbourne. Super Sache, denn mit gekauften Drinks ist ein Essen hier locker doppelt so teuer. Nach dem Essen haben wir uns noch pancakes mit Eis gemacht und ein paar Bierchen gezischt.

Ja was bleibt zu erzaehlen. Maximalgeschwindigkeit ausserorts 80km/h. Sehr krasse Strafen auf alle Art Verkehrsvergehen. Helmpflicht beim Fahrradfahren und Alkoholverbot in der Oeffentlichkeit. Ich dachte Deutschland waere streng. Das Wetter ist scheisse es regnet. Aber das die das hier Winter nennen halte ich immernoch fuer einen schlechten Scherz. Bei uns waere das locker ein gelungener Herbst es scheint sogar oft die Sonne und mehr als ein Pulli braucht man nicht als frosterprobter Westeuropaeer. Jetzt werde ich mich mal meiner Bewerbung widmen. Mit viel Glueck komme ich ueber die Connections meiner Gastfamilie an einen Job im Krankenhaus. So leicht wie man es mir vorher versichert hatte ist es wohl doch nicht, denn die Australier kennen sowas wie ein Pflegepraktikum nicht. Hier arbeitet nur im Krankenhaus wer auch einen Abschluss als Pflegekraft oder Arzt hat. Ich bin aber dennoch zuversichtlich das noch irgendwas zustande kommt. Das wars erstmal von mir Fotos folgen bei Zeiten. Wuerd mich wahnsinnig ueber Neuigkeiten und Rueckmeldung aus der Heimat freuen. Bis zum naechsten Blog,

Cheers

1 Kommentar 20.6.10 07:08, kommentieren